Über wackelig-stabile Gesangskünste, Musik aus ferner Zeit und Bands aus einer anderen Galaxie – east west’s week review #96

Liebe Mitglieder, warum das Karaoke Night Disaster am Unsinnigen Donnerstag im ost west club alles andere als eine Katastrophe wurde, erfahrt ihr wie immer am Montag Mittag bei der 96. Ausgabe des east west’s week review und auf den folgenden Zeilen. 🙂

Die Clubwoche startete bereits am Montag und unserem allmonatlichen Repair-Café. Wieder haben viele Menschen den Weg in den Club gefunden, um ihre kaputten Fahrräder, Radios und Hosen flicken oder ihre stumpfen Messer schleifen zu lassen. Wir bedanken uns wie immer recht herzlich für den ehrenamtlichen Einsatz all dieser fleißigen HandwerkerInnen und empfehlen euch schon mal den März-Termin am 25.3. für das nächste Repair Café Treffen vorzumerken.

Am Mittwoch durften wir insgesamt 5. Ausgabe des Störsenders im Club miterleben. Robert Asam hat auch dieses Mal wieder viele aktuelle Themen aus der Südtiroler Politik und Gesellschaft aufgegriffen und mit einer ironischen Note versehen. Vor allem die Neo-Landtagsabgeordnete Jasmin Ladurner musste nach ihrem Zickzackkurs bezüglich des Regionalrates wieder einiges an Kritik einstecken und befand sich zusammen mit anderen Vertreter*innen ihrer Zunft in guter Gesellschaft. Der Störsender bescherte dem Club auch in der fünften Ausgabe in Folge wieder einen pickepackevollen Salon und durfte sich über den Besuch von rund 50 interessierten Mitgliedern freuen. Zum vorletzten Mal in dieser Saison geht der Störsender am Mittwoch, 27. März wieder auf Sendung.

Der Unsinnige Donnerstag stand dann ganz im Zeichen des Karaoke Night Disaster’s. Mehr als drei Stunden lang wurde in unserem Konzertsalon geträllert und zu vielen bekannten Hits der 80er, 90er- und 2000er Jahre lauthals mitgegröhlt und getanzt. Nach einem kurzen, etwas zögerlichen Beginn, stieg die Begeisterung von Song zu Song und immer mehr motivierte Clubmitglieder wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, ihr Lieblingslied vor einem zahlreich erschienenen Publikum zu performen. Neben vielen englischen Klassikern wie „Bohemian Rhapsody“ (Queen) oder „All the small things“ (Blink 182) durften aber natürlich auch italienische und deutsche Songs wie „Vespa Special“ (Luna Pop), „Gianna“ (Rino Gaetano) oder „99 Luftballons“ (Nena) nicht fehlen. Je länger der Abend dauerte desto größer schien die Freude und Motivation bei unseren Mitgliedern zu wachsen und die eigenen Gesangskünste auszuprobieren. Neben einer tollen Dekoration, die von unserer Praktikantin Viki gestaltet wurde, freuten sich unsere Gäste über 200 Gratis-Faschingskrapfen, die uns dankenswerter Weise von der Bäckerei Schmidt zur Verfügung gestellt wurden. Der erste Karaoke Abend überhaupt im ost west club wurde somit zu einem vollen Erfolg und zu einer mehr als nur kurzweiligen und lustigen Veranstaltung, die wir spätestens im nächsten Jahr sicher wieder mit in unser Monatsprogramm nehmen werden. Wir möchten uns bei unserem Türsteher-Verantwortlichen Joachim Staffler bedanken, der die Idee zu diesem tollen Event hatte und die Veranstaltung an diesem Abend perfekt betreut hat. Im Anhang findet ihr einige Schnappschüsse, die während des KND von den unterschiedlichsten Menschen im Club geknipst wurden.

Am Freitagabend durften wir dann zu Beginn des Konzertwochenendes einen Doppelauftritt erleben. Zum ersten Mal hat uns das Duo Hillbilly to Bluegrass in Meran besucht. Anschließend durften wir dann der großartigen CD-Präsentation „Memphisto“ des Pusterer Blues-Musikers Hubert Dorigatti beiwohnen. Hillbilly to Bluegrass sind Francesco Mosna und Federico Minzoni an Gitarre und Stimme. Die beiden jungen Herren aus Bozen und Trient spielen und wie ihr Bandname schon verrärt eine Mischung aus Blues und Bluegrass, sowie alten amerikanischen Folkliedern. Vor jedem Song erklärte uns Federico Minzoni die Geschichte hinter den Liedern. Viele der Songs sind in den Vereinigten Staaten während der Zeit der großen Depression Ende der 1920er Jahre entstanden vor allem im Bundesland Mississippi entstanden. Die nicht alltägliche Musik der beiden italienischsprachigen Künstler sorgte bei unserem Publikum für große Begeisterung. Sowohl das Auftreten von Mosna und Minzoni in Leinenkleidern und auch ihr restlicher Modestil führte die Clubmitglieder auf eine kleine musikalische Zeitreise, mit vielen ruhigen und nachdenklichen Liedern aus einer schon längst vergessenen Zeit. Anschließend und nach dem rund 60minütigen Auftritt von HtB stieg dann unser Hauptact des Abends auf die Clubbühne und intensivierte von Beginn weg die Schlagzahl an seinen Saiteninstrumenten. Hubert Dorigattis Albumtitel Memphisto ist ein augenzwinkernder Verweis auf die Stadt Memphis, in der nicht nur Elvis Presley lebte, sondern, die auch einen großen Einfluss auf die Blues- und Soulszene in den USA hatte, sowie auf den Teufel höchstpersönlich. Und wenn man Hubert Dorigatti bei seinem Auftritt beobachtet, kann man sich des Eindruckes nicht verwehren, dass dieser Teufelsmusiker mit dem Beelzebub im Bunde steht. Auch wenn Dorigatti während seiner Konzerte immer auf einem Stuhl sitzt, verströmt er bei seinen Auftritten eine derartige Energie, das einem teilweise schwindelig werden kann. Das Album, bestehend aus 11 selbstgeschriebenen Songs wurde bei „Three Saints Records“ aufgenommen und ist eine Hommage an den klassischen Blues in Tennessee.und hat eine große Bandbreite von ruhigen bis hin zu schnellen und wilderen Songs zu bieten. Dorigatti ist ein Meister seines Fachs und gehört nicht umsonst mittlerweile zu einigen der besten Bluesgitarristen in Italien, aber auch weit darüber hinaus. Er beherrscht sein Instrument wie im Schlaf und versteht es neben schweren Gitarrenriffs seine Stimme in den unterschiedlichsten Geschwindigkeiten und Tonlagen einzusetzen. Dabei versprüht der Brunecker Musiker einen Elan, der mehr als nur ansteckend wirkt und scheint während seines Auftrittes in absoluter Symbiose mit seiner Musik zu stehen. Allein das Mimenspiel dieses angenehmen Zeitgenossen ist einen Konzertbesuch wert und unterstreicht die Bühnenpräsenz des Ausnahmemusikers bei jeder einzelnenen gespielten Note. Wir bedanken uns bei Francesco Mosna, Federico Minzoni und Hubert Dorigatti für einen unvergesslichen Bluesabend, der diesem in unserem Land immer noch selten beobachteten Musikstil die entsprechende Würdigung entgegengebracht hat. Im Anhang findet ihr einige wirklich tolle Fotos von Manfred Kilian, der mit seiner Fotokamera mit dabei war.

Das intensive Konzertwochenende haben wir dann am Samstagabend erneut mit zwei Bands auf unserer Holzbühne fortgesetzt. Neben dem Besuch der Bozner Dream-Punk Formation Junk Love, durften wir auch den ersten Auftritt der Unterlandler Formation Space Cadets in Meran live und in Farbe erleben. Und dieses Doppelkonzert wurde zu einem unvergesslichen Auftritt, der auch die extremsten Musik-SkeptikerInnen zu überzeugen wusste. Den Opener an diesem Abend machte mit Junk Love eine alte Bekannte im ost west club. Die Band um Frontsänger Florian Rabatscher, besteht seit wenigen Monaten nur noch aus drei Musikern und verzichtet mittlerweile auf die Elektro-Piano-Klänge und beschränkt sich auf ein minimalistisches Konzept. Neben Flo, der als Basser und Sänger eine seltene Kombination für einen Leadsänger auf die Bühne bringt, runden Gitarrist Cerino und Schlagzeuger Martin mit ihren background-vocals ein Musikprojekt ab, das hierzulande keine Vergleiche scheuen muss. Junk Love sind seit vielen Jahren eine der interessantesten und spannendsten Bandformationen unseres Landes und wissen mit ihrem Sound, der sich als eine Mischung aus Punkrock und New Wave beschreiben lässt, mehr als nur zu überzeugen. Die Musik ist anders als fast alles was man in unseren Breitengraden täglich aus der Dose vorgeträllert bekommt und hebt sich dabei gleichzeitig gekonnt und wohltuend deutlich von irgendwelchen Mainstream-Rockcoverbands ab. Junk Love sind anders und verstehen diese Attitüde auf eine ehrliche und ernstzunehmende Weise mit jedem einzelnen Akkord an ihr Publikum zu transportieren. Man kann Flo, Cerino und Martin nur dazu beglückwünschen und hofft natürlich immer inständig, dass es bald wieder neues Material von einer Band geben wird, die es als eine der wenigen Formationen zwischen Brenner und Salurn schafft, so etwas wie Großstadtatmosphäre und Subkultur in ihrer Musik auszustrahlen. Nach einer knackigen gerade einmal 40 Minuten dauernden Set überließen Junk Love die Bühne dann den Space Cadets. Schon vorab wussten wir, dass wir es hier mit fünf Musikern zu tun haben, die ihre Auftritte mehr als nur penibel durchdenken- und planen. Angereits mit eigenem Ton- und Lichttechniker wurde der Club schon kurz vor 17.00 Uhr von einer Horde von Musikern und Technikern eingenommen und in eine beachtenswerte „music-hall“ verwandelt. Marius Walter (Stimme/Gitarre), Christian Hilber (Keyboard), Andreas Spanó (Bass), Armin Anhof (Gitarre) und Hannes Pfitscher (Drums) haben uns dann ein 50minütiges Programm abgeliefert, das so manche Kinnlade auch noch Stunden später in ihrer Verschlussfunktion beeinträchtigte. Space Cadets sind die Nachfolgebands der Living Targets und eines der aktuell interessantesten und vielversprechendsten Bandprojekte zwischen Brenner und Salurn. Nichts wird dem Zufall überlassen, jede einzelne Lichtbrechung passt sich perfekt an die unterschiedlichsten Töne und Soundstücke an und erzeugt ein fließendes Ganzes. Man merkt, dass die Musik aus langen Jamsessions heraus im Proberaum entstanden sind und, dass man mit David Franzelin einen Orchesterleiter im Bunde hat, der sein Handwerk perfekt versteht. Space Cadets haben sich und, das ist definitiv kein Geheimnis in ihrer Musik vor allem und u.a. auch von den großartigen Doors inspirieren hat lassen. Die kongeniale Stimme von Frontsänger Marius schmiegt sich perfekt an die experimentellen Riffs von Armin Amhof und sphärischen Piano-Klänge von Christian Hilber. Außerdem hat man mit Hannes einen Schlagzeuger im Bunde, dem das Lachen aufgrund der erzeugten Töne buchstäblich und für die gesamte Konzertdauer nicht aus den Gesichtszügen weichen will und mit Andreas einen Basser, der den Sound dieser „Raketenband“ perfekt abrundet. „Spacig“ ist eine mehr als nur treffende Zuschreibung für eine Band, die sich in ihren Konzertauftritten seit ihrer Gründen bewusst zurückgenommen haben. Space Cadets sind keine Band, die man sich einfach mal zwischen Tür und Angel als Unterhaltungsfaktor in die Ecke stellt, sondern die fünf jungen Herren aus dem Unterland sind ein Musikprojekt das auf die großen Festivalbühnen gehört und denen man einen verdammten roten Teppich auslegen sollte. Wir sind auch noch am Montagmorgen absolut geflahst und verzaubert von einem Konzert, das von der ersten bis zur letzten Sekunde ein einziger musikalischer Trip war und neue Maßstäbe in Sachen Perfektionismus in Südtirol gesetzt hat. Space Cadets sind ein perfekt funktionierendes Raketensystem, das an dieser Stelle vor allem den ausländischen KonzertveranstalterInnen wärmstens ans Herz gelegt werden kann, nein, muss. Bucht diese Band liebe Festivalveranstalter, wir geben euch einen Garantieschein darauf, dass ihr dieses Booking nicht bereuen werdet! Im Anhang gibt es ein kleines Fotoalbum, das aber nicht annähernd jene Stimmung wiedergeben kann, die während dem Auftritt von Junk Love und der Space Cadets am Samstag in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Club herrschte. Wir hatten auch nach dem Auftritt eine Menge Spaß mit den Musikern aus der Gegend um Montan und durften die Bekanntschaft von äußerst angenehmen Menschen und Zeigenossen machen, denen wir genauso wie Junk Love jeden erdenklichen Erfolg wünschen.

 

Abschließend möchten wir uns wie immer bei unseren Sponsoren Alperia, Pohl Immobilien/Gruppe Unterberger, Salon Habicher, unserem Medienpartner Die Antenne und den öffentlichen Institutionen der Provinz Bozen, dem Amt für deutsche und italienische Kultur, sowie dem Amt für deutsche und italienische Jugendarbeit und der Gemeinde Meran für die Unterstützung unseres Tätigkeitsprogramms bedanken.