Über den globalen Rausch, desaströse Gesangskünste, feinste Gitarrenmusik und modulare Soundsysteme – east west’s week review #128

Liebe Mitglieder, am vergangenen Dienstag hat uns der bekannte Südtiroler Filmregisseur Andreas Pichler im Club besucht. Das Interesse an seinem neuen Dokufilm „Alkohol – Der globale Rausch“ war riesengroß. Unser Veranstaltungsraum war bis auf den allerletzten Platz gefüllt uns mehr als 60 Mitglieder lauschten nach der Filmvorführung gespannt dem überaus interessanten Gespräch mit dem Regisseur und unserem Mitarbeiter Thomas Kobler. Was sonst noch in eurem Lieblingsclub passiert ist, erzählen wir euch wie immer am Montag Mittag bei unserem east west’s week review und auf den folgenden Zeilen.

Der neue Dokumentarfilm von Andreas Pichler, hatte schon im Vorfeld der Veranstaltung für großes Interesse unter unseren Mitgliedern gesorgt. Und so kamen zum Start der Clubwoche viele interessierte Menschen in die Meraner Altstadt, um der Vorführung von „Alkohol – Der globale Rausch“ beizuwohnen. Die Dokumentation betrachtet die westliche „Kulturdroge“ Alkohol aus verschiedenen Perspektiven. Alkohol ist die weitestverbreitete legale Droge weltweit. Ganze Industrien speisen sich von dem Genussmittel. Zugleich ist er die Ursache für Millionen von Todesfällen jedes Jahr. Der Film durchleuchtet, wer die Nutznießer vom Geschäft mit dem berauschenden Trank sind, mit den Veränderungen im Konsumverhalten und mit der Sehnsucht nach dem von Alkohol hervorgerufenen Rauschzustand, der in der Gesellschaft fest etabliert ist. Das Besondere am Film ist, dass er nicht versucht uns zu missionieren oder Abstinenzler aus uns zu machen. Aber er stellt eine Frage: Was läuft schief mit unserem Alkoholkonsum und warum? Der Clubsalon war an diesem Abend bis auf den letzten Platz gefüllt und nach der Vorführung berichtete uns Andreas Pichler von seinen Recherchen rund um das Thema Alkohol rund um die Welt. Pichler war für seinen neuesten Film u.a. in Nigeria, England oder Island, wo man schon seit Längerem eine landesweite Präventionskampagne initiiert hat. Island hat große Investitionen im Bereich Musik und Sport vorgenommen und den Konsum von Alkohl gesellschaftlich nahezu und vor allem unter Jugendlichen geächtet. Pichler berichtete weiter, dass auch er während und nach dem Film seinen Konsum von alkoholischen Getränken drastisch eingeschränkt hat. Auch aus dem Publikum kamen zahlreiche Wortmeldungen und die Debatte drehte sich zum Schluss vor allem um den Konsum und den Umgang der Südtiroler*innen. Es war ein überaus aufschlussreicher und wichtiger Abend, der unserer Meinung nach eine wichtige Debatte in unserem Land mitangestoßen hat. Deshalb möchten wir uns ganz herzlich bei Andreas Pichler für seinen wirklich besonderen Film und vor allem seine Disponibilität bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass er sich für unseren Club immer wieder die Zeit nimmt und für einen solchen Abend zur Verfügung steht. Es war nach der „Akte Pasolini“, dem „Sechsten Kontinent“ und dem „System Milch“ nun schon der vierte Film, den wir in den letzten fünf Jahren im Club zusammen mit dem Regisseur erleben durften. Im Anhang findet ihr einige Fotos vom Filmabend, geknipst von Laura Zindaco.

Zu Gast beim LiteraturCLUB am Mittwoch, 19. Februar, war die Autorin und Filmemacherin Iris Blauensteiner aus Wien. Sie ist derzeit Stipendiatin der Franz-Edelmaier-Residenz für Literatur und Menschenrechte in Meran und stellte ihren Roman Kopfzecke vor. In dichten und poetischen Bildern schafft Blauensteiner eine zuweilen heimelige zuweisen beklemmende Atmosphäre. In den detailgetreuen Schilderungen der Begegnungen der Protagonistinnen – Tochter und Mutter – umkreist sie die Themen Erinnerung und das Verblassen derselben. Die Mutter, die sich immer mehr von der Welt entfernt und die Tochter, die einem Familiengeheimis auf den Grund gehen will, geben den vielen Betroffenen eine literarische Stimme. In konzentrierter Gespanntheit folgte das Publikum der berührenden Geschichte und  brachte Betroffenheit zum Ausdruck im anschließenden Gespräch. Wie immer hatte unsere Literaturverantwortliche und Vorstandskollegin Sonja Steger in den Abend eingeführt und das interessierte schien großes Interesse an den Ausführungen der jungen Wiener Autorin zu haben. Erfreulich war auch, dass die zweite derzeit in Meran wohnende Edelmaier-Stipendiatin Eugenia Mantay zur Lesung gekommen ist und man regen Gedankenaustausch pflegen konnte. Im Anhang findet ihr ein kleines Fotoalbum vom dritten LiteraturCLUB des Jahres.

Der Unsinnige Donnerstag stand dann ganz im Zeichen des Karaoke Night Disaster’s. Mehr als drei Stunden lang und wie schon im vergangenen Jahr wurde in unserem Konzertsalon geträllert und zu vielen bekannten Hits lauthals mitgegröhlt und getanzt. Nach einem kurzen, etwas zögerlichen Beginn, stieg die Begeisterung von Song zu Song und immer mehr motivierte Clubmitglieder wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, ihr Lieblingslied vor einem zahlreich erschienenen Publikum zu performen. Neben vielen anglo-amerikanischen Klassikern wie „Bohemian Rhapsody“ (Queen) oder „All the small things“ (Blink 182) durften aber natürlich auch italienische und deutsche Songs u.a.  „99 Luftballons“ (Nena) nicht fehlen. Je länger der Abend dauerte desto größer schien die Freude und Motivation bei unseren Mitgliedern zu wachsen und die eigenen Gesangskünste auszuprobieren. Unsere Gäste freuten sich über 50 Gratis-Faschingskrapfen, die uns dankenswerter Weise von der Bäckerei Schmidt und wie schon im letzten Jahr zur Verfügung gestellt wurden. Der erste Karaoke Abend im ost west club wurde somit auch 2020 zu einem vollen Erfolg und zu einer mehr als nur kurzweiligen und lustigen Veranstaltung, die wir sicherlich auch im nächsten Jahr wieder mit in unser Monatsprogramm nehmen werden. Wir möchten uns bei unserem Türsteher-Verantwortlichen Joachim Staffler bedanken, der die Idee zu diesem tollen Event hatte und die Veranstaltung an diesem Abend wieder perfekt betreut hat.

Das Live-Konzertwochenende haben wir dann am Freitag mit der CD-Präsentation „Life Metronom“ des jungen Pusterer Gitarristen Marc Perin fortgesetzt. Der bekannte Fingerstyle-Gitarrist, den man auch als Teil des Duo’s Perin & Barbarossa kennt, hatte sich zudem musikalische Verstärkung, durch den aus St. Pauls stammenden Musiker Stefan Pfattner und die Eppanerin Emily Ferri alias PÄM mitgebracht. Zu Beginn des Auftritts durften wir der großartigen Stimme der noch sehr jungen Musikerin aus dem Überetsch lauschen. Dies, weil auch ein Fernsehteam von RAI Südtirol gekommen war, um einen Bericht über die in Graz studierende Musikerin aufzunehmen. Anschließend folgte für ca. eine Stunde die CD-Präsentation und wir lauschten vielen der neu geschriebenen Songs von Marc Perin. Perin gehört schon seit Längerem zu den bekanntesten Gesichtern der eher kleinen Südtiroler Szene der Fingerstyle-Gitarristen. Umso spannender ist es, solche Auftritte dann live und in Farbe zu erleben. Perin beherrscht sein Instrument auf virtuose Art und Weise und wusste, das Publikum im Club von Beginn an in seinen Bann zu ziehen. Zwischen den gespielten Stücken erzählte er einige Anekdoten zu seiner Musik und berichtete dabei u.a., dass er sein Album in der Werkstatt des Südtiroler Künstlers Luis Seiwald aufgenommen hat. Seiwald hat gleichzeitig eine seiner Gitarren bemalt, die er an diesem Abend auch mit im Gepäck hatte und deren Foto auch das Cover für Perins neues Album bildet. Anschließend traten wieder alle drei Musiker*innen auf unsere Bühne und auch Stefan Pfattner konnte bei seinem Auftritt nicht zum ersten Mal beweisen, dass er neben dem Gitarrenspiel, auch gesanglich einiges zu bieten hat. Für den Gänsehaut-Moment des Abends sorgte aber dann wiederum Emily Ferri, als sie gemeinsam mit ihren Musikerfreunden ihr selbstgeschriebenes Stück „Dig in Deeper“ zum Besten gab und für viel Applaus unter den rund 40 interessierten Zuhörer*innen sorgte. Der Auftritt der drei jungen Südtiroler*innen hat uns an diesem Abend wieder einmal sehr gut vor Augen geführt, dass die Musikszene hierzulande einiges zu bieten hat und, dass man diese talentierten Menschen nur entsprechend fördern muss. Wir bedanken uns bei Marc, Stefan und Emily für einen kurzweiligen Musikabend und wünschen ihnen für die kommende Zeit alles Gute. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir dieses Trio zu uns eingeladen haben. Karlheinz Sollbauer hat sich das Konzert ebenfalls angesehen und einige sehr schöne Aufnahmen gemacht, die wir für euch angehängt haben.

Am Samstag haben wir die Clubwoche dann mit dem Auftritt von The BUGFIX beschlossen. Nach über drei Jahren und nach einem etwas verunglückten Auftritt am Silvesterabend 2016 haben wir uns umso mehr auf die Rückkehr dieses musikalische Projekt gefreut. Die drei Musiker Flyle, Pane und Luki haben uns dabei ein rund dreistündiges Konzert präsentiert. Wer The BUGFIX nicht kennt, machte am Samstag große Augen, als er im kleinen Raucherraum im Club den Bühnenaufbau der drei Musiker erblickte. The BUGFIX machen Musik mit einem modularen Synthesizer System. Bei einem Modular Synthesizer gibt es Module zur Klangerzeugung, Module zur Klangveränderung und solche zur Steuerung. Die einzelnen Module werden über Kabel oder Schalter, manchmal auch Schieberegler und Steckfelder, miteinander verbunden. Somit ist bei einer gegebenen Anzahl von Modulen mit Aus- und Eingängen eine Vielzahl von Verbindungsmöglichkeiten vorhanden. Das endgültige Signal wird dann über einen Lautsprecher ausgegeben. Zusätzlich kombinieren The BUGFIX den Gitarrensound von Luki mit ihren technoartigen Klängen. Dabei entstehen allerlei spannende Klangbilder, die unser zahlreiches Publikum während des Auftrittes ebenfalls mit in Schwingung versetzt haben. Der Sound und wie er von den drei Musikern erzeugt wird, ist einzigartig in Südtirol, es gibt aktuell keinerlei vergleichbaren Projekte. Umso spannender war es für uns The BUGIFX am Samstag bei der Arbeit zuzusehen. Fyle, Pane und Luki werden sicher noch weiter am Feinschliff arbeiten und den Sound weiter perfektionieren und man darf deshalb schon gespannt sein, was uns von den Dreien in Zukunft noch so präsentiert werden wird. Im Anhang haben wir ein kleines Fotoalbum für all jene angehängt, die sich unter einem modularen Synthesizer vielleicht nicht auf Anhieb etwas vorstellen können.

Abschließend möchten wir uns wie immer bei unseren Sponsoren Alperia, Pohl Immobilien/Gruppe Unterberger, Boschetti Elektromechanik, UWB (Untermaiser Würstelbude) unserem Medienpartner Die Antenne und den öffentlichen Institutionen der Provinz Bozen, dem Amt für deutsche und italienische Kultur, sowie dem Amt für deutsche und italienische Jugendarbeit und der Gemeinde Meran für die Unterstützung unseres Tätigkeitsprogramms bedanken.