Von anarchischen Oasen, staunenden Beatern, engagierten Bands und solidarischen Wattern – east west’s week review #70

Warum die Band Satuo am vergangenen Freitag bewiesen hat, dass es zum Glück noch Musiker*innen bzw. Künstler*innen gibt, die sich getrauen politisch Position zu beziehen und warum Herbert und Stefan am Samstag bei Watt Wars am Ende als verdiente Sieger hervorgegangen sind, erfahrt ihr beim east west’s week review (#70) und auf den folgenden Zeilen.

Der 1. Mai war wohl der ideale Tag um den Dokumentarfilm „Oasen der Freiheit“ von Martin Hanni und Kurt Langbein auszustrahlen.  Im Film begibt sich der Schriftsteller Ilija Trojanow auf Spurensuche nach Oasen der Freiheit, nach Orten wo Anarchismus gelebt wird und Freiheit den Alltag der Menschen bestimmt.  So tritt einem der Schriftsteller sowohl als Wegbegleiter und Erzählstimme entgegen, außerdem lässt er seine Gedanken zum Thema Anarchismus einfließen: „Für mich ist Anarchismus einerseits eine Schule des kritischen Denkens, andererseits des widerständigen Handelns. Diese zwei Momente sind sehr wichtig, weil sie einander gegenseitig natürlich bedingen, motivieren.“ Zum dritten verknüpft der Film ein Zitat aus Trojanows Buch „Nach der Flucht“ mit den Protestaktionen an der Brennergrenze 2016. Äußerst facettenreich und abseits ausgetretener Pfade führt die Reise durch Europa zu historischen und zu aktuellen Anarchismus-Fakten und -Geschichten.  In der Gesprächsrunde anschließend an den Film berichtete Martin Hanni u.a. von Entstehungsgeschichte und -prozess des Films. Yvonne Rauter, die derzeit an ihrer Masterarbeit zum Thema Anarchismus und Feminismus arbeitet, meinte u.a., dass der ost west club eine solche Oase der Freiheit sei. Die Fotos im Anhang stammen von Sonja Steger, die diesen Abend für uns moderiert hat.

 

Am Mittwoch haben wir euch den letzten LiteraturCLUB der Saison präsentiert. Der Autor Francesco Tabarelli hat uns dabei sein Buch „I Figli Dello Stupore“ vorgestellt. Gleichzeitig haben wir uns den zum Buch gleichnamigen Dokufilm angesehen. In diesem Werk geht es um die italienische Beatgeneration der 60er Jahre. Als Beat Generation wird eine Richtung der US-amerikanischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren bezeichnet. Bekannte Beat-Autoren sind Jack Kerouac, Allen Ginsberg und William S. Burroughs. Der Film und das Buch zeigen auf beeindruckende Weise, wie vor allem junge Menschen sich zu jener Zeit von diesen Autoren, aber auch von Musikern jener Zeit inspirieren haben lassen. Die Zeit war geprägt von einer großen Aufbruchsstimmung und neuen Jugendkulturen, die in der Gesellschaft ihren Platz beanspruchten. Das Anders-Sein und das Abgrenzen vom Establishment waren gerade in den größeren Städten wie Rom oder Turin sehr spürbar und haben in der Folge weitere Generationen neu inspiriert und beeinflusst. Anschließend an die Filmvorführung haben Francesca und Max dann Gedichte aus dem Buch vorgelesen und den Abend mit dieser Lesung entsprechend abgerundet. In der Folge ergab sich dann ein spannendes Publikumsgespräch, u.a. mit unserem Ehrenmitglied Harry Reich oder dem Meraner Künstler Matthias Schönweger, die vor allem von ihren Erfahrungen aus jener Zeit in Südtirol berichteten. Der LiteraturCLUB wurde wie immer von Sonja Steger moderiert und bot Gelegenheit ein Thema näher zu beleuchten, über welches hierzulande vielfach kaum thematisiert wird. Wir haben uns außerdem sehr über den Besuch von Reinhold Giovanett gefreut, der den Kontakt zum Autor Francesco Tabarelli für uns hergestellt hat und diesen Abend letztlich überhaupt ermöglichte. Im Anhang findet ihr ein paar Schnappschüsse von Sonja Steger von diesem kurzweiligen Literaturabend. Im Herbst geht es in der Altstadt natürlich weiter mit den LiteraturCLUBS, aber auch im Sommer in unserem Country Club werden wir euch sicherlich, die ein oder andere literarische Veranstaltung präsentieren.

 

Am Donnerstag zeigte uns der Theaterverein Kulttour das Stück Amaretto, ein Theaterstück von Uli Brée, eine skurrile Komödie, die unsere Lachmuskeln durchaus beanspruchte. Kulttour spielte zum ersten Mal im Club. Der Verein gründete sich vor drei Jahren aus einer Laune und Lust heraus, alternative und skurrile Orte zu bespielen, wir Gärtnereien, Kellereien und einiges mehr. Das Ensemble wechselt mit jeder Produktion. Dieses Mal sahen wir auf der Bühne Daniela Santa und Hansjörg Ebnicher. Regie führte Alexandra Hofer und für die Organisation war Alfred Niederstätter verantwortlich. Leicht und locker inszeniert, zeigte uns das Stück aber auch die Abgründe von zwei Menschen, die verzweifelt einen Ausweg aus ihrer verfahrenen Alltagssituation suchen. Als geeignete Lösung scheint nur der Selbstmord in Frage zu kommen. Dieser jedoch missglückt, bis uns am Ende das Spiel der beiden Protagonisten klar wird. Ein Spiel um Leben und Tod, das uns näher zusammenbringen soll. Ein sehr gelungener Abend, eine skurrile Komödie in einem skurrilen Raum mit einem fantastischen Publikum. Die Fotos stammen von unserer Theaterverantwortlichen Stefanie Nagler.

 

Am Freitag hat uns dann eine Band aus Wien besucht, die schon vor rund drei Jahren einmal bei uns zu Gast war. Die fünfköpfige Formation nennt sich Satuo und hat uns an diesem Abend ein knapp zweistündiges Programm aus toller Folk- und Bluegrass-Musik präseniert. Außerdem hatte die Band ihr vor Kurzem erschienens Album „Earned“ mit im Gepäck, mit dem sie in den nächsten Wochen noch in verschiedenen Orten in Deutschland, Italien und Österreich Halt machen werden. Die fünf Musiker*innen um Frontsängerin Laura Korhonen wussten unser Publikum an diesem Abend nicht nur mit ihrer Musik zu begeistern, sondern haben mit ihren Texten auch bewiesen, dass sie noch einige der wenigen Formationen sind, die gesellschaftliche Probleme in ihren Songs thematisieren. Der Song „Mein Land“ thematisiert unter anderem den gesellschaftlichen Rassismus und ist letztlich eine moderne Kampfschrift, menschenfeindliche Positionen nicht widerspruchslos hinzunehmen, sondern sich eben in deutlicher Weise von solchen Dingen zu distanzieren und ein humanes und solidarisches Menschenbild einzufordern. Wir waren sehr beeindruckt von diesem musikalischen Statement und auch unsere anwesenden Mitglieder schienen begeistert von diesem erfrischendem Song, der textlich durchaus an große Künstler wie Konstantin Wecker erinnert. Interessant bei Satuo ist auch, dass einige Songs auf Finnisch gesungen werden, was natürlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass Sängerin Laura ursprünglich aus Finnland stammt. Die Musik der Band lädt zum Träumen und Verweilen ein und neben dem zuvor erwähnten Lied „Mein Land“ hat uns vor allem der titelgebende Song des Albums „Earned“ sehr stark beeindruckt. Rund 30 Mitglieder schienen große Freude am Auftritt der fünf Wiener zu haben und auch die Band selbst, hat sich an diesem Abend und bei diesem Auftritt im Club sehr wohl gefühlt. Wir bedanken uns bei Laura, Fabian, Raphaela, Walter und Aaron für einen abwechslungsreichend Konzertabend und empfehlen euch noch die super Fotos von Emma Hanny im Anhang.

 

Am Samstag haben wir dann das erste Blindwattenturnier im Club veranstaltet. Unter dem Titel Watt Wars haben insgesamt 12 Pärchen um den ersten Platz gezockt. Von 10.00 Uhr morgens bis zum Finale um 20.00 Uhr wurde den ganzen Tag über gewattet. Es war ein äußerst spannendes Turnier bei dem am Ende Herbert und Stefan als die verdienten Sieger hervorgegangen sind. Im Finale besiegten sie das Duo Tom und Tom relativ klar in zwei Spielen, auch wenn es noch zu Beginn so aussah, als könnte es ein enges Duell werden. Neben den vier genannten Finalteilnehmern spielten auch noch Jonas und Markus, Sonja und Bernadette, Günther und Bernhard, Barbara und Ivan, Valentin und Jimmy, Sarah und Andi, Matthias und Norbert, Andreas und Max, Florian und Eddy, sowie Daniel und Juri den ganzen Tag über das beliebsteste und bekannteste Südtiroler Kartenspiel. Es war ein bunter Mix aus Jung und Alt, der sich an den Spieltischen um den Sieg duellierte. Verköstigt wurden die Teilnehmer*innen von unserem Hansi, der neben einer wunderbaren Gulasch- und Gemüsesuppe, auch allerlei tolle Brötchen auftischte. Klaus, Doris, Laura und Giorgia halfen beim Getränkeausschank mit und servierten den Spielerinnen und Spielern außerdem allerlei köstliche und selbstgebackene Kuchen. Unter dem Motto „Möge der Weli mit euch sein“ fand zum ersten Mal nach langer Zeit wieder ein Wattturnier im Club statt, das am Ende des Tages für viele begeisterte Gesichter sorgte. Wir bedanken uns bei allen Mitspielenden und vor allem bei unseren Sponsoren Restaurant Meteo, Meraner Weinhaus, Brennerei St. Urban und der Raika Tirol für die tollen Preise und die Unterstützung. Das gesamte Nenngeld und die freiwilligen Spenden werden wir, abzüglich der Spesen dem Haus der Solidarität spenden. Insgesamt können wir 400 Euro an dieses tolle Projekt übergeben und freuen uns, dass neben Spiel und Spaß auch und vor allem der solidarische Grundgedanke im Vordergrund gestanden hat. Das Titelbild stammt von unserer Vorstandskollegin Laura Zindaco, weitere Fotos Die Fotos von Watt Wars werden wir euch noch in den nächsten Stunden nachreichen.

Anschließend an Watt Wars und am Abend haben wir euch dann ein tolles DJ-Set präsentiert. Unter dem Titel „Roots from the east to the west“  durften wir einen Reggae Nighter mit Don Crasher und Big B erleben, die uns über drei Stunden lang mit tolle Reggae- und Soulmusik vor allem der 50er und 60er Jahre versorgt haben. In unserem kleinen Calcetto-Raum entstand wieder einmal eine wunderbare Underground-Atmosphäre und unsere Mitglieder schienen gerade zum Ende des Abends die gute Musik sehr zu genießen. Es wurde geskankt und getanzt, was das Zeug hielt und eine Musikrichtung gefeiert, die man in Südtirol und in dieser Form nur sehr selten zu hören bekommt. Wir bedaken uns bei unseren DJ’s, aber auch bei Walter Gaber, alias Veloziped, der uns seine Plattenspieler dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.

Abschließend möchten wir uns wie immer bei Salon Habicher, Alperia und den öffentlichen Institutionen beim Amt für deutsche und italienische Kultur, sowie beim Amt für deutsche und italienische Jugendarbeit und der Gemeinde Meran für die Unterstützung unseres Tätigkeitsprogramms bedanken.