Über sprachliche Verwahrlosung, eine Slammer*innen-Szene die immer größeren Zuspruch erhält und Netzwerk-freundschaften, die eine neue kulturelle Welle reiten – east west’s week review #59

Liebe Mitglieder, warum Professor Hans Drumbl der Meinung ist, dass in Südtirol eine vermehrte sprachliche Verwahrlosung voranschreitet und was ein DJ-Set mit Netzwerkarbeit und Freundschaft zu tun hat, erfahrt ihr nun und wie immer am Montag Mittag in der mittlerweile insgesamt 59. Ausgabe des east west week review.

Die Woche im Club wurde bereits am Dienstag mit dem Treffen unseres ChorOstwest begonnen. Es wurde wie immer zweimal im Monat munter drauflos musiziert und Spaß gehabt. Chorleiter Markus Prieth und unsere Chorfreunde freuen sich auch weiterhin, wenn ihr in Zukunft noch zu dieser Gruppe stoßen wird. Insgesamt finden diese Chortreffen zweimal im Monat statt. Das nächste Treffen findet deshalb am Dienstag, 27. Februar statt, wie immer mit Beginn um 19.00 Uhr. Wenn ihr weitere Informationen zu unserem hauseigenen Chorprojekt möchtet, dann klickt auf einfach auf diesen Link, oder schreibt uns eine Email.

Am Mittwoch haben wir euch dann den ersten Zigori Club des Jahres präsentiert. Unter dem Titel: „13 Jahre für die Katz – Zweisprachendidaktik in Südtirol“ sprach unser Moderator Markus Lobis mit dem Sprachwissenschaftler Professor Hans Drumbl und unserem Publikum über ein stets aktuelles und hochsensibles Südtiroler Thema. Drumbl betonte in seinen Ausführungen, dass Sprache in Südtirol bei vielen Menschen in unserem Land einen viel zu geringen Stellenwert besitzt und dies ein Mitgrund sei, warum sowohl Südtiroler deutscher, als auch italienischer Muttersprache große Sprachschwierigkeiten hätten. Drumbl und einige Zweisprachenlehrer*innen, die sich rege an der Debatte beteiligten, stellten außerdem fest, dass es gerade für italienisch-sprechende Südtiroler schwierig sei, gesellschaftlich Anknüpfungspunkte zu schaffen, wenn deutschsprachige Südtiroler sich nur im Dialekt ausdrücken können, aber kaum sprachliche Kompetenzen in der Hochsprache mitbringen würden. Dies hätte zur Folge, dass italienische Muttersprachler, auch wenn sie die deutsche Sprache beherrschen, diese hierzulande nicht anwenden würden. Drumbl unterstrich, dass er vor allem in Bozen eine immer stärker voranschreitende Verwahrlosung beobachten würde. So würde man in der Landeshauptstadt in der öffentlichen Verwaltung, auf Straßenschildern usw. immer wieder falsche Übersetzungen finden würde. Auch in Restaurants und Bars könne man feststellen, dass Getränke- oder Speisekarten falsch übersetzt sind und all dies Ausdruck für die geringe bzw. nicht vorhandene sprachliche Wertschätzung sei. Auch in den Schulen gibt es Lehrpersonal, das über unzulängliche sprachliche Kompetenzen verfügen würde und daher Schüler*innen große Probleme im Spracherwerb haben würden. Alles in allem war es eine sehr lebendige und auf einem hohen Niveau geführte Debatte, mit rund 30 Publikumsgästen, die sich immer wieder mit Fragen und Anregungen an der Diskussion beteiligten. Wir bedanken uns deshalb bei unserem Moderator, Professor Drumbl, unseren Mitgliedern und unserem super Fotografen Arno Ebner (Fotos im Anhang) für einen aufschlussreichen und wichtigen Zigori Club. Der nächste Diskussionsabend findet am Mittwoch 11. April statt, wo wir mit Thomas Aichner und Hans Heiss, zwei illustren Gäste und Experten, über die Grenzen des Tourismus in Südtirol sprechen werden.

Am Donnerstag hatte unser Barkeeper Ivan den Club dann für den salotto ost west gemütlich hergerichtet. Bei guten Getränken und einer wohligen Atmosphäre in unserem Salon verbrachten unsere Mitglieder einen ruhigen Abend mit guten Gesprächen, bei cooler Musik.

Am Freitag fand dann der insgesamt 16. Wild Wild Ost West Slam statt. Insgesamt hatten sich acht Teilnehmer*innen angemeldet, unter ihnen unser Salzburger special guest KSAFA, sowie Praxenknecht, Lena Wopfner, Irene Moroder, Franzi Patzleitner, Olivia, Double T und Michael Denzer. Nach einem überaus witzigen Einstiegstext durch Opferlamm Giovi, führte Moderatorin MC Lene Morgenstern durch einen sehr kurzweiligen und auf hohem Niveau angesiedelten Poetry Slam Abend. Ins Finale schafften es an diesem Abend neben KSAFA, Praxenknecht, Irene Moroder und Double T, die den vierten Platz von Olivia einnehmen durfte, weil diese leider keinen zweiten Text mit im Gepäck hatte. In der Finalrunde war es dann unser special guest, der sich mit einem umgeschriebenen Liebesgedicht, mit dem Titel „Ode an das Salz“ mit vier Höchstwertungen unangefochten den Sieg holte. Auf Platz zwei folgte die Grödnerin Irene Moroder, die mit dem einzigen italienische Text des Abends „il rosetto“ überzeugen konnte und Praxenknecht mit einem beeindruckend guten Text, der den Titel „Kaiser und Wurm“ trug, sowie Double T auf Platz vier. Der Salon im Club war auch bei der 16. Ausgabe des WWOWS wieder bis auf den letzten Platz gefüllt (ca. 60 Besucher*innen), viele neue Interessierte hatten sich eingefunden, die vorher noch nie im Club oder bei einem Poetry Slam mit dabei waren. Außerdem hat uns besonders gefreut, dass wir mit Olivia und Double T gleich zwei neue Slammerinnen auf der Teilnehmerliste hatten, die überhaupt und zum ersten Mal vor Publikum gelesen hatten. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Südtiroler Slammer*innen Szene weiterhin und stetig am wachsen ist und der Publikumszuspruch weiter im Begriff ist zu steigen. Wir freuen uns schon auf den dritten Freitag im März (16.3), wo wir mit Eva Stützer und VUX gleich zwei special guest präsentieren dürfen und sicher wieder eine Menge Spaß haben und gute Slam-Texte hören werden. An dieser Stelle bedanken wir uns wie immer bei unseren Moderator*innen und Organisator*innen Lene Morgenstern und Giovi, dem bunten Teilnehmer*innenfeld und dem coolen Publikum. Ein besonderer Dank geht außerdem an die Buchgemeinschaft Alte Mühle, die uns wieder die ersten drei Preise in Form von Büchergutscheinen zur Verfügung gestellt hat und die SAAV (Südtiroler Autorinnen und Autorenvereinigung) für die Unterstützung.

Am Samstag haben wir die Woche dann mit einer Veranstaltung beschlossen, die wir noch lange in guter Erinnerung behalten werden. In Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Atract, haben wir euch dabei ein DJ-Set mit zwei der besten und bekanntesten Südtiroler Techno DJ’s präsentiert. Davide Piras und bossifunk heizten unseren Mitgliedern über drei Stunden lang mit groovigen Oldschool-House Platten bis zu atmosphärischen Techno-Break Beat Sounds ein und zwangen den heillos überfüllten Tanzsaal regelrecht in Bewegung zu bleiben. Besonders hat uns gefreut, dass sich viele Menschen aus der Unterlandler Gegend extra auf den Weg nach Meran gemacht haben, um bei diesem Event dabei zu sein. Einige von ihnen waren bisher noch nie bei uns zu Gast und schienen im Nachhinein keineswegs zu bereuen, nun auch zu unseren Mitgliedern zu gehören. Unser kleiner Raucherraum im Club bot wieder die perfekte Location für eine Underground-Veranstaltung, die man in dieser Form, nur selten in unseren Breitengraden zu sehen und hören bekommt. Unter dem Motto „je gleimer, desto feiner“ drängelte sich auf den wenigen Quadratmetern ein Publikum, das dieser Art von subkulturellen Events die entsprechende Wertschätzung entgegen bringt. Wohin man auch blickte, sah man lachende und fröhliche Menschen, die ihre wahre Freude an den extrem guten Sounds hatten, die ihnen aus unserer Musikanlage entgegenschallten. Davide Piras und bossifunk wussten zu jeder Zeit, die Atmosphäre entsprechend zu deuten und jene tracs unter das Publikum zu bringen, welche gerade passend waren. Es freut uns besonders, dass es dieses Mal die beiden Atract-DJ’s waren, die zum ersten Mal hinter unseren turntables standen und mit ihrer Musik einen wichtigen Beitrag leisteten, dass sich mit dem ost west club und Atract zwei der bekanntesten Südtiroler Kulturvereine wieder einen Schritt näher gekommen sind. Mittlerweile haben wir bei Atract Freunde und Menschen gefunden, die in diesem Land mit Kunst, Musik und neuen freien Kulturinitiativen eine neue Welle gestartet haben, die hoffentlich nicht mehr aufzuhalten sein wird. Wir werden uns weiterhin und regelmäßig mit den Vertretern von Atract, aber auch anderen Vereinen wie Kulturverein Astra 2.0 oder BASIS Vinschgau treffen und an gemeinsamen Projekten und Ideen werkeln und den Weg der Vernetzung dieser Initiativen weiter und konsequent vorantreiben. Wir freuen uns auf alles was da noch kommt und hoffen, dass uns die Menschen und Freigeister da draußen weiterhin folgen und unserer gemeinsamen Arbeit durch die unterschiedlichsten Formen der Unterstützung zur Seite stehen werden. Weiter unten findet ihr einige wirklich coole Foto von Catello Nigro (Grazie!), die die großartige Atmosphäre am vergangenen Samstag perfekt eingefangen haben.

Wie immer möchten wir uns bei Salon Habicher, Alperia und den öffentlichen Institutionen beim Amt für deutsche und italienische Kultur, sowie beim Amt für deutsche und italienische Jugendarbeit und der Gemeinde Meran für die Unterstützung unseres Tätigkeitsprogramms bedanken.