Über den ersten lettischen Künstler und eine omnipräsente musikalische Melancholie im Club – east west’s week review #114

Liebe Mitglieder, warum der lettischen fingerstyle-Gitarrist Reinis Jaunais seinen Meran-Aufenthalt nicht ganz ohne Grund, um einen Tag verlängert hat und nach seinem Solo-Konzert am Donnerstagabend auch bei der allmonatlichen Jamsession 24 Stunden später im ost west club est ovest zu begeistern wusste, erzählen wir euch wie immer am Montag Mittag bei der 114. Ausgabe unseres wöchentlichen Rückblicks und auf den nun folgenden Zeilen.

Eine gedanklich sehr produktive Runde hat sich zum Start der Clubwoche am vergangenen Mittwoch zum zweiten Feministischen Infocafé im Club zusammengefunden. Themen waren unter anderem die Planung des nächsten Treffens und somit können wir bereits jetzt für Dienstag, 5. November eine feministische Stadtführung in Zusammenarbeit mit dem Frauenmuseum Meran ankündigen. Weiters sind Film- und Diskussionsabende, sowie die bevorstehenden Wahlen in Südtirol samt weiblicher Präsenz auf den Parteilisten besprochen worden und es wird dahingehend sicherlich bald eine Aktion im öffentlichen Raum geben. Mitdenker*innen dabei sind erwünscht und willkommen!

Am Donnerstag hatten wir dann den lettischen Gitarrenmusiker Reinis Jaunais zum ersten Mal in Meran zu Gast. Der überaus talentierte Musiker war mit seiner kleinen Familie angereist und hat uns dann sein neuestes musikalisches Programm vorgestellt. Jaunais ist seit vielen Jahren als Straßenmusiker in allen möglichen Teilen der Welt unterwegs. Dabei hat er immer seine akkustische Gitarre im Gepäck. Bei seinem ersten Auftritt im Club zeigte er sich als wahrer Könner und Virtuose auf dem Saiteninstrument. Sein Fingerstyle-Spiel erinnert an andere weltweit bekannte Musiker seiner Zunft, wie Andy Mckee oder den großartigen John Butler. Man kann dem pfeilschnellen Fingerspiel von Reinis Jaunais kaum folgen und kann nur staunend und beeindruckt von den unterschiedlichen Finger- und Handtechniken des 31jährigen Musikers aus Lettland sein. Rund 25 Mitglieder waren gekommen um dem rund 70minütigen Auftritt von Jaunais beizuwohnen. Unter anderem war auch unsere Clubfotografin Sara Mostacci mit dabei und hat einige tolle Fotos vom Konzert geknipst. Wir bedanken uns bei Reinis Jaunais, seiner Familie, dem Jugendzentrum Jungle für die Unterkunft des Musikers und bei Sara Mostacci für die Fotos und dem Publikum für ihr Interesse.

Am Freitagabend haben wir euch dann die zweite Jamsession der neuen Saison präsentiert. Maestro Andreas Unterholzner hatte wieder das Who is Who der Südtiroler Musikszene auf unserer kleinen Holzbühne versammelt. Auch wenn das Publikum anfangs nur schleppend unseren Konzertsaal besuchte, so wurde es spätestens gegen Ende der Jam wieder zu einem Abend, wo sich das Publikum Schulter an Schulter drängte und versuchte einen Blick auf das bunte Treiben auf der Bühne zu werfen. Auch unser lettischer Gast Reinis Jaunais, der tags zuvor noch ein Solo-Konzert im Club gegeben hatte, hatte spontan seinen Meran-Besuch um einen Tag verlängert und sich sogleich die Gelegenheit ein zweites Mal im Club aufzutreten, nicht entgehen lassen. Zusammen mit den Meraner Lokalmatadoren um Unterholzner, Thomas Lamprecht, Michi Agreiter (der an diesem Abend seinen Geburtstag im Club feierte), der großartigen Marlene Basso oder dem Teufelsschlagzeuger Manny Pardeller (Bozen) schien Jaunais seine helle Freude daran zu haben, mit unseren MusikerInnen gemeinsam zu jammen. Es machte am Freitag riesigen Spaß dem bunten Treiben auf unserer Bühne zuzusehen. Das Niveau war derart hoch, das einem regelrecht schwindelig werden konnte, wenn man all das Talent und die Fähigkeiten der unterschiedlichen MusikerInnen an diesem Abend beobachtete. Wir sind sehr froh und dankbar, dass Andreas Unterholzner seit Jahren diese Veranstaltung betreut und es immer wieder schafft jedes Monat aufs Neue eine Stimmung zu kreieren, die unsere ZuhörerInnen begeistert. Wird würden uns nur manchmal wünschen, dass unser Publikum schon gleich zu Beginn der Jam in den Club kommen könnte und die vielen engagierten MusikerInnen von Beginn an unterstützen würden. Im Anhang findet ihr ein paar Schnappschüsse von der Jamsession. Im November findet diese Veranstaltung am Freitag 29. November statt.

Am Samstag haben wir die Clubwoche mit einem Musikabend beschlossen, auf den wir lange hingefiebert hatten. Die bisher vielleicht bekannteste Band in der Geschichte des Clubs Rue Royale, war bei uns zu Gast und hat dem zahlreich erschienen Publikum einen Auftritt beschert, der für viele begeisterte Gesichter sorgte. Zuvor war die Unterlandler Solo-Musikerin Helianth, alias Jasmin Franceschini auf unsere Holzbühne gestiegen und hat dabei gleich von Beginn an für erstaunte Gesichert im Auditorium gesorgt. Die junge Neumarkter singer/songwriterin präsentierte uns bei ihrem 45minütigen Auftritt u.a. ihre vor Kurzem veröffentliche Single „Milk and Honey“. Helianth ist grade mal Anfang 20, verfügt aber über ein gesangliches Talent, das in Zukunft in Südtirol aber auch darüber hinaus noch für großes Aufsehen und Interesse sorgen wird. Anschließend stiegen das Ehepaar Ruth und Brookln Dekker auf die Bühne und ließen die rund 60 interessierten Musikbegeisterten fast über die gesamte Dauer des Auftrittes regelrecht verstummen. Auch wenn einige wenige Stimmen aus dem Hintergrund unseres Tresens in den Konzertsaal gelangten, so war es während des 75minütigen Konzertes von Rue Royale vor der Bühne muxmäuschenstill. Rue Royale präsentierten uns an diesem Abend ein beeindruckendes Klanggefüge, bei dem die melodramatische Atmosphäre, die von jedem einzelnen Track sowohl akustisch als auch inhaltlich weitergetragen wird, stilgebend ist. Besonders die zweistimmig vorgetragenden Songs und wenn die beiden Dekkers gemeinsam agieren, geben den Songs eine ganz spezielle Kraft. Eine omnipräsente Melancholie und Ratlosigkeit scheint die Grundstimmung der Musik von Rue Royale zu sein. Gerade diese Nachdenklichkeit in der Musik der beiden gebürtigen amerikanischen und aktuell in Nottingham lebenden MusikerInnen ist es, welche die Konzerte mit Rue Royale so besonders machen. Wer am Samstag nicht mit dabei sein konnte, kann sich im Anhang die überaus tollen Fotos von Markus Steiner Ender ansehen. Wir bedanken uns neben unserem Fotografen bei Helianth und natürlich bei Rue Royale und zwei MusikerInnen, die sich bei ihrem ersten Auftritt im Club als überaus unkomplizierte und nette Menschen präsentierten.

Abschließend möchten wir uns wie immer bei unseren Sponsoren Alperia, Pohl Immobilien/Gruppe Unterberger, Salon Habicher, UWB (Untermaiser Würstelbude) unserem Medienpartner Die Antenne und den öffentlichen Institutionen der Provinz Bozen, dem Amt für deutsche und italienische Kultur, sowie dem Amt für deutsche und italienische Jugendarbeit und der Gemeinde Meran für die Unterstützung unseres Tätigkeitsprogramms bedanken.