Frech und frei und wunderbar! east west’s week review #41

Liebe Mitglieder, nun ist es vollbracht. Wir haben wieder eine ost westliche Saison in eurem Lieblingsclub gebührend und mit der Big Closing Party am vergangenen Samstag ausklingen lassen.
Die letzte Woche im Club haben wir mit insgesamt vier Programmabenden beschlossen. Am Mittwoch durften wir wie immer um diese Jahreszeit Rolando Biscuola und seinen guitar club bei uns begrüßen. Rund 20 Musikschülerinnen- und Schüler aller Altersklassen haben uns jenes Musikprogramm präsentiert, das sie in vielen Stunden beim vielleicht bekanntesten Gitarrenlehrer unserer Stadt im vergangenen Jahr erlernen durften. Im Club wuselten Buben und Mädchen mit übergroßen Instrumenten herum und präsentierten uns voller Stolz ihre Gitarrenkünste. Wir freuen, dass wir der heranwachsenden Generation an neuen Musikerinnen und Musikern schon in ihrer Kindheit, eine Bühne zur Verfügung stellen dürfen, um ihre Leidenschaft vor Publikum Ausdruck zu verleihen. Und vielleicht werden wir eine oder einen dieser Nachwuchskünstler in einigen Jahren mit einer neuen Bandformation wieder bei uns begrüßen zu dürfen.
Am Donnerstag fand dann die Zusatzvorstellung von „Struwwelpeter – Back to the future“ statt und unsere Theatergruppe ThEATROstwest spielte zum zweiten Mal und vor rund 30 Besucherinnen und Besuchern das selbst geschriebene Stück. Die Gruppe konnte auch an diesem Abend mehr als nur überzeugen und sorgte für viele Lacher und lustige Momente. Man spürte, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler in rund eineinhalb Jahren und seit diese Formation gegründet wurde, einiges an Erfahrung auf der Bühne sammeln konnte. ThEATROstwest wird auch in der neuen Saison wieder ein wichtiger Teil unseres Clubs sein und euch in einigen Monaten ein neues Stück präsentieren, auf das ihr euch jetzt schon freuen dürft.
Am vorletzten Programmabend der Saison hatten wir Gelegenheit niemand Geringeren als eines der aufstrebendsten Musikprojekte Südtirols bei uns präsentieren. Die Gruppe Drahthaus war zum zweiten Mal extra aus Wien angereist, um uns ein etwa einstündiges Live-Set zu präsentieren, das man so und in vergleichbarer Form nicht finden wird. Die vier Musiker kombinieren Instrumente wie Gitarre, Trompete, Sax oder verschiedene Perkussionsintrumente mit elektronischen Elementen, speisen Geräusche von Käsereiben oder abgezogenen Stöpseln in ihren PC ein und vereinigen somit akustische mit elektronischen Klängen. Im Vergleich zu ihrem ersten Auftritt vor ca. eineinhalb Jahren hat sich die Band nochmals weiterentwickelt und wirkt in ihrem Gesamtkonzept viel sicherer und abgeklärter, als noch zu Beginn des Projektes. Die Musik ist nicht nur tanzbar, sondern lädt ein sich vollkommen in einem komplexen Klangbild zu verlieren und ganz in den Sound einzutauchen. Unserer Meinung nach sind Drahthaus ein Musikprojekt, das irgendwann die großen Bühnen dieser Welt bespielen wird. Wer noch nicht die Gelegenheit hatte die vier jungen Herren live zu erleben, sollte dies unbedingt alsbald nachholen.
Am Samstag und bei der „big closing party“ hatten wir dann gleich drei musikalische Programmpunkte für euch vorbereitet. Zu Beginn durften wir in einer Weltpremiere den ersten Auftritt der Dreierformation Filthy Basement erleben. Florian Ausserer unser fleißiger Haustechniker an der Gitarre, Daniele Bordato an Bass und Stimme und Sebastian Martin am Schlagzeug sind ein wirklich cooles Bandprojekt, das einen schwierig zu definierenden Sound aus Blues, Rock und Punk zu einem spannenden Musikerlebnis kombiniert. Der Sound lädt zum Tanzen ein und die selbstgeschriebenen Songs vereinen sich zu einem Set das aller Ehren wert ist und definitiv gehört werden sollte. Anschließend an diesen Auftritt durften wir dann gemeinsam mit euch einen absolut unvergesslichen Gänsehautmoment erleben. Zum ersten Mal trat unserer hauseigener Chor ChorOstwest vor Publikum auf. Und es war nicht unsere kleine Holzbühne, die die rund 20 anwesenden Chorsängerinnen und Chorsänger dieses Mal beherbergte. Als stage diente dieses Mal unsere beschauliche und enge Passeirergasse. Die vielen Mitglieder, die sich aufgrund der hohen Temperaturen im Außenbereich des Clubs aufhielten bekamen so eine Show zu sehen, die für unser kleines und beschauliches Meran nicht alltäglich sein dürfte. Insgesamt trällerte die Gruppe um Chorleiter Markus Prieth, bei dem wir uns an dieser Stelle für seinen großen Einsatz sehr herzlich bedanken möchten, fünf verschiedene und über die vergangenen Monate eingeübten Lieder. Als zum Abschluss der Partisanenklassiker „Bella Ciao“ interpretiert wurde, entstand in der kleinen und engen Gasse eine Gänsehautatmosphäre, die für alle und jeden spürbar war. Das Publikum wurde beim abschließenden Lied ohne Umschweife Teil eines plötzlich immer größer werdenden Straßenchors. Wir bedanken uns für diesen wunderbaren Auftritt, der all jenen Menschen, die bisher dachten sie hätten kaum oder nur wenig Gesangstalent, über viele Wochen Gelegenheit geboten hat, ihrer Freude am Singen und der Musik Ausdruck zu verleihen. Im Herbst werden wir mit diesem Projekt in regelmäßigen Abständen und insgesamt zweimal im Monat weitermachen und laden euch jetzt schon ein, Teil dieser wunderbar verschiedenartigen Gruppe zu werden. Als Hauptact des Abends durften wir dann zum ersten Mal überhaupt im Club die Dub- und Reggae-Truppe Sisyphos aus Sterzing bei uns erleben. Schon seit langer Zeit haben wir versucht die Wipptaler zu uns einzuladen, passenderweise haben wir es am letzten Programmabend der Saison 2016/2017 endlich geschafft. Die schon seit über 10 Jahren bestehende Formation hat vor Kurzem ihre Besetzung bis auf zwei Bandmitglieder komplett verändert und besticht durch ein neues, aber ebenso schlüssiges Konzept. Die tunes sind zwar nicht mehr so reggaelastig wie noch zu Anfangszeiten, aber der Sound ist dennoch überaus anspruchsvoll und überzeugte die vielen Konzertbesucherinnen- und Besucher vollends. Bereits am kommenden Wochenende habt ihr Gelegenheit Sisyphos nochmals in Meran und auf der großen Bühne des Rock The Lahn Festivals live zu erleben. Wir bedanke uns bei Dave, Michi und Co. Für das erste Clubkonzert von Sisyphos und wünschen ihnen viel Erfolg mit diesem neuen Projekt und Sisyphos in Dub.
Es war uns wie immer eine Ehre mit euch fast 200 Veranstaltungen sehen und hören, aber auch schmecken, riechen und spüren zu dürfen. Auch in der 35. Saison im kleinen beschaulichen Lokal in der Passeirergasse durften wieder so viele unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen erlebt werden, dass man kaum glauben kann, dass auf so engem Raum teilweise durchaus anspruchsvolle, komplexe und große Veranstaltungen abgewickelt werden. Natürlich ist nicht jeder Programmabend ohne technische Schwierigkeiten über die Bühne gegangen, aber im Nachhinein sind wir sehr stolz darauf, dass wir kein einziges Konzert oder ansonsten geplante Programmpunkte absagen mussten. Mehr oder weniger konnte jede Veranstaltung reibungslos über die Bühne gehen, was natürlich in erster Linie unseren Gästen, Musikern, Künstler, Literaten und Diskutanten zu verdanken ist, dann aber und selbstredend den unzähligen ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern.
Wie jedes Jahr zu diesem Zeitpunkt möchten wir deshalb unterstreichen und herausheben, dass es die Menschen und die vielen Freiwilligen sind, die das Projekt ost west club erst zu dem machen, was es ist. Eben ein Projekt für Menschen, für all jene, die Lust und Interesse haben Kultur auf eine Art und Weise zu erleben, die vielleicht nicht immer den oder die beste Künstlerin auf die Bühne bringt, aber eben jenen Platz und Raum schafft, die Muse und Zeit in eine Sache gesteckt haben, für die sie brennen, für die sie all ihre Energie und Leidenschaft aufwenden. Diese Tatsache motiviert uns jedes Jahr aufs Neue mit euch gemeinsam weiter voranzugehen und die Idee hinter diesem Verein kontinuierlich voranzubringen. Der ost west club ist nicht nur Ort, sondern immer wieder Gefühl für all jene, die sich in dieser immer schnelllebigeren und chaotischen Zeit nach Rückzug, Gemeinschaftssinn und Nähe sehnen. Jene, die diese manches Mal immer roher und dunkler erscheinende Welt erfühlen, und sich nach einem Platz sehnen, der die Einsamen und vielleicht jene, die das Zwischenmenschliche und Liebenswürdige schon verloren glaubten, aber auf diesen gerade mal 90 Quadratmetern immer wieder das Gefühl bekamen dazuzugehören. Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, aus fernen Ländern zu uns geflüchtet sind, andere die schwere Schicksalsschläge erfahren mussten, deren soziales Umfeld zerstört wurde, jene die verlassen wurden und keinen Halt mehr erfuhren. Der ost west club ist und soll auch zukünftig Ort für all jene Menschen sein, deren Schwächen noch als Stärke gesehen werden und die zwischen unseren bunten Wänden nicht der Forderung nach Perfektion und Härte nachgeben müssen, weil sie viel zu viel Raum in unserer Gesellschaft einnimmt und kaum Platz zum Verweilen und Verschnaufen lässt.
Wir haben wie schon zuvor erwähnt und nach der Gründung der Theatergruppe ThEATROstwest in dieser Saison mit dem ChorOstwest eine Menschengruppe dazugewonnen, auf die wir unglaublich stolz sind und die uns noch viel Freude bereiten wird. Wir haben getanzt, gelesen, zusammen musiziert, uns über die unterschiedlichsten gesellschaftlichen und politischen Themen unterhalten und emsig diskutiert, wir haben an den Calcetto-Tischen gezockt und am Tresen über Gott und die Welt gesprochen. Wir haben im Repair Cafe‘ repariert was das Zeug hielt und uns zusammen hochinteressante Dokufilme angesehen. Wir haben den Dingen Zeit und Raum gegeben, Kultur von der Basis weg produziert und neu entstehen lassen. Wir haben zusammen gelacht und geweint, uns umarmt, uns getröstet, uns geküsst und geliebte Menschen, Freunde und Mitglieder des Clubs wie den großartigen Literaten Peter Oberdörfer verabschiedet. Wir haben den ost west club wieder fast ein Jahr lang gespürt und hochleben lassen.
Und das werden wir auch in Zukunft tun. Im Sommer und in diesem Jahr zum ersten Mal in einer kleinen Sommerresidenz mitten in der Stadt und in wenigen Jahren dann an unserem neuen Standort Bersaglio. Wir freuen uns unbeschreiblich auf all das was da noch kommt und es macht uns sehr glücklich, dass wir das alles gemeinsam und mit euch erleben werden dürfen. DANKE an euch alle und das ihr mithelft das Projekt ost west club mit Leben und Liebe zu füllen! Bleibt frech und frei und wunderbar!

Die Fotos im Anhang und das Titelbild (ChorOstwest) stammen von der Big Closing Party und wurden von Thomas Zelger geknipst. Vielen Dank!